Ausstellung "Diktatur und Demokratie im Zeitalter der Extreme" in Gemünden

27. Februar 2014

Es war ein interessanter, aber auch emotionaler Abend: Die Eröffnung der Ausstellung "Diktatur und Demokratie im Zeitalter der Extreme" in der Mittelschule Gemünden stand im Zeichen der sich jährenden Reichsprogromnacht und war geprägt von einem wissenschaftlichen Vortrag und Erinnerungen einer fast 90-Jährigen.

Der 100. Jahrestag zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges, 75 Jahre Beginn des Zweiten Weltkriegs, 25 Jahre friedliche Revolution in Deutschland und zehn Jahre Osterweiterung bilden in diesem Jahr eine Reihe politischer Jubiläen, die Bernd Rützel zum Anlass nahm, um die Ausstellung des Bundestages nach Gemünden zu holen. Unter dem Motto „Diktatur und Demokratie im Zeitalter der Extreme“ ist die Zeitdokumentation noch bis zum Freitag, 28. Februar in der Aula der Mittelschule zu sehen.

Ausstellung "Diktatur und Demokratie im Zeitalter der Extreme" in Gemünden

„Die meisten von uns gehören einer Generation an, die nichts anderes erlebt hat als Frieden“, betonte Mittelschulrektor Rainer Kunkel bei der Eröffnung am Dienstagabend. Daher gelte es, für diese und folgende Generationen aus der Geschichte zu lernen. Aus diesem Grund freute er sich, die Ausstellung in seiner Schule anbieten zu können, und mit Irma Königseder aus Lohr eine Frau als Referentin und Gesprächspartnerin zu präsentieren, die die Jahre der Nazi-Machtergreifung miterlebt hat. Die fast 90-jährige Zeitzeugin gab bei der Ausstellungseröffnung einen Einblick in ihre Erlebnisse.

„Man muss den Politikern nach 1945 dankbar dafür sein, dass sie einen anderen Weg eingeschlagen und die Grundlage für den heutigen Staat gelegt haben“, sagte sie. Die gebürtige Sudetendeutsche, seit ihrer Jugendzeit bekennende Sozialdemokratin, berichtete, dass „wir bis 1938 in einer bestimmten Freiheit gelebt haben“. Doch im selben Jahr warnten flüchtende Schlesier: „Schreit nicht so nach dem Hitler.“ Wie Recht diese Menschen hatten, erlebte sie während der Flucht und Vertreibung mit dem Neubeginn im Raum Mühldorf/Altötting und später in Lohr, wo sie eine Gaststätte übernommen und später als Krankenschwester 26 Jahre lang in der Psychiatrie gearbeitet hatte.

Einen geschichtlichen Abriss der Geschehnisse gab Christoph Weißmann vom Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Uni Würzburg. In einem Vortrag beleuchtete er die Machtergreifung Hitlers und der NSDAP, beginnend mit der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933, als in Berlin der Reichstag brannte und wenige Stunden darauf die Nazi-Schergen mit der Verfolgung von Juden und der Zerstörung jüdischen Eigentums und der Synagogen begannen.

Bereits am 28. Februar 1933 wurde die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat (Reichstagsbrandverordnung) erlassen. „Damit wurden die Grundrechte der Weimarer Verfassung praktisch außer Kraft gesetzt und der Weg freigeräumt für die legalisierte Verfolgung der politischen Gegner der NSDAP durch Polizei und SA“, so Weißmann.

Ausstellung "Diktatur und Demokratie im Zeitalter der Extreme" in Gemünden 2

„Dieses Datum ist für mich der Grund, eine Ausstellung nach Gemünden zu holen“, sagte Rützel. Sie wurde zu den verschiedenen Jahrestagen der deutschen Geschichte von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, dem Institut für Zeitgeschichte und Deutschlandradio Kultur zusammengestellt. Auf 26 Tafeln werden diese Ereignisse mit 190 Fotos dokumentiert. Schulen und Gesellschaft kommt laut Rützel die Aufgabe zu, mit Gesprächen und Wissensvermittlung ähnliche Ereignisse zu verhindern. Dass dies möglich ist, zeigt sich für Rützel am Beispiel der friedlichen Revolution, die in Deutschland zur Wiedervereinigung führte.

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