Klartext

„Die Zeit bringt das Geld“

...sagt ein geflügeltes Wort. Gemeint ist: Die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wer-den für ihre geleistete Arbeitszeit entlohnt. Entscheidend für ihren Lohn ist nicht, wie bei Selbst-ständigen, ob sie eine Leistung erfolgreich abgeschlossen haben. Entscheidend ist die tatsächlich abgeleistete Arbeitszeit. Leider müssen wir immer wieder hören, dass Beschäftigte um ihre Arbeits-zeit und damit um ihren Lohn geprellt werden. Pro Jahr stecken sich so Unternehmen ca. 18 Milliarden Euro in die eigene Tasche.

Nun hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass die Arbeitszeiten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer grundsätzlich voll erfasst wer-den müssen. Bisher ist das in Deutschland in der Regel nur für Überstunden vorgeschrieben. Jetzt urteilten die Luxemburger Richter: Arbeitgeber müssen ein „objektives, verlässliches und zugängliches“ Arbeitszeitsystem einrichten. Alle EU-Mitgliedstaaten müssen nun entsprechende Rege-lungen zur Arbeitszeiterfassung erlassen.

Ohne ein System zur täglichen Arbeitszeiterfassung könne weder die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden und ihre zeitliche Verteilung noch die Zahl der Überstunden objektiv und verlässlich ermittelt werden. Es müsse aber gewährleistet sein, dass die gesetzlichen Höchstarbeitszeiten und Ruhepausen eingehalten werden. Für tarifgebundene Unternehmen ist das oft Standard, für alle nicht tarifgebundenen Betriebe gibt es jetzt ein Stück mehr Wahrheit und Klarheit. Auf jeden Fall wird es ein Stück gerechter. Ich habe mich über das Urteil sehr gefreut.