Viele fühlen sich erleichtert, haben aber vielleicht doch ein komisches Gefühl. Jahrelang war die Frage nach dem richtigen Antrieb in Autos eine Glaubensfrage. Sie wurde hauptsächlich aus konservativen Kreisen zu einer Glaubensfrage gemacht. Gegen Gefühle lässt sich schlecht argumentieren. Gegen Gefühle kann man nur schwer sachlich argumentieren. Die Gefühle gewinnen immer.
Aber mal der Reihe nach: Der Ottomotor wurde vor ungefähr 100 Jahren in Deutschland erfunden. Bereits 1864 gründete er seine erste Motorenfabrik. Auf genaue Details gehe ich hier nicht ein. Das lässt sich alles wunderbar nachlesen. Rudolf Diesel verbaute das erste Mal 1936 seinen nach ihm benannten Motor in Serien-PKWs ein. (Eigene Anmerkung: In meinem Maschinenbaustudium habe ich mich 1996 an der Technischen Hochschule Karlsruhe mit beiden Motoren intensiver beschäftigt.)
So, was hat das nun mit der aktuellen Politik zu tun? Nun, wir kommen alle aus dem Verbrenner-Zeitalter. Haben auf diesen Maschinen Führerschein gemacht und sind mobil gewesen. Auch ich fahre einen schönen Diesel und auch einen Benziner. Das funktioniert alles prima, ich bin damit zufrieden.
Aber ist das die Zukunft? Nein, ganz klar nein! Die Zukunft ist elektrisch, ob es einem gefällt oder nicht.
Früher haben wir auch einen Film in den Fotoapparat eingelegt und es haben nur wenige an die digitale Zukunft von Bilderstellung geglaubt. Über Nacht hat sich das damals geändert. Über Nacht wird es bei den Autos nicht gehen, aber sehr schnell. Deshalb ist wichtig, dass sich die Automobilindustrie in Deutschland zusammen mit den Zulieferern umstellen kann. Das sind gewaltige Transformationen – also Umwandlungen. Deshalb sind mit einer Rolle rückwärts vom Verbrenner-Aus vielleicht unsere Gefühle besänftigt, aber keinesfalls unsere technische Führungsrolle gestärkt.
Die Zukunft ist elektrisch. Spätestens dann, wenn Reichweite, Infrastruktur und Preis der Elektrischen sich noch etwas entwickeln. Das was unsere Fahrzeuge antreibt, darf keine Glaubensfrage werden. Wir sollten lieber alle Kraft auf den Erhalt der Arbeitsplätze legen. Das verdient unsere Anstrengung – genau wie vor 150 Jahren auch.