Klartext

Neue Normalität

Bund und Länder haben viele Maßnahmen getroffen, um Menschen und Unternehmen vor den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu schützen. Dafür haben wir viel Zustimmung erhalten. Es gibt aber auch Kritik - und ich kann das verstehen.

Unsere Welt ist eine andere und keiner weiß, wann und ob sie wieder die alte sein wird. Manche Maßnahmen schränken Freiheitsrechte ein und müssen deshalb besonders streng hinterfragt werden. Sie müssen außerdem wieder aufgehoben werden und zwar, sobald es geht. Überwiegend ist die Wissenschaft allerdings der Meinung, dass Einschränkungen weiter erforderlich sind. Mir ist diese Einschätzung wichtig, ich prüfe aber auch abweichende Auffassungen.

Die Ansteckungsraten in Unterfranken steigen wieder stärker. Die Erfolge der vergangenen Wochen stehen auf dem Spiel. Mir ist das eine Warnung. Der „Lockdown“ war hart, aber was wird, wenn wir hochfahren und dann wieder bremsen müssen? Das halte ich für unverantwortbar.

Deutschland steht trotz allem gut da. Wir haben Reserven schaffen können, die jetzt viel ermöglichen. Dennoch bleibt eine Unsicherheit, wie wir sie bislang kaum gekannt haben. Niemand in Wissenschaft, Wirtschaft oder Politik kann die Entwicklung der nächsten Zeit mit Sicherheit vorhersehen - eine solche Situation gab es noch nicht. Wir müssen sie ständig neu bewerten, auch Fehleinschätzungen riskieren - und korrigieren! Lieber zu viel tun als zu wenig und dabei den Tod von vielen Menschen in Kauf nehmen!

Alle Maßnahmen orientieren sich am aktuellen Stand und werden ständig angepasst. Erst wenn es wirksame Therapien und/oder einen Impfstoff gibt, haben wir es überstanden. Wann das sein wird, ist offen. Wir werden womöglich noch mehrere Jahre mit dem Virus leben und uns auf eine neue Normalität einrichten müssen.