Diskussion am Friedrich-König-Gymnasium in Würzburg: „Die Zukunft unserer Demokratie liegt in den Händen der jungen Menschen“

15. Mai 2018

Auf Einladung des Studiendirektors und Schulleiters Marco Korn und der Fachschaft Sozialkunde diskutierte ich mit Schülerinnen und Schülern der Oberstufe Q11/Q12 des Friedrich-König-Gymnasiums in Würzburg. Passend zu den heutigen Interessen junger Menschen, stand das Thema „Demokratische Wahlen in Zeiten von Wahlmanipulation über soziale Medien“ im Mittelpunkt des Gesprächs.

Dass über die sozialen Medien der Manipulation Tür und Tor geöffnet ist, verdeutlichte ich direkt zum Start der Diskussion mit Blick auf die mutmaßliche russische Einflussnahme auf die US-Präsidentenwahl 2016 über Facebook, Google, Twitter und Co. Für umso wichtiger halte ich es, dass man die Informationen, die aus den sozialen Medien bezogen werden, richtig einordnet und gegenprüft. Wir erleben eine Informationsflut, in der zunehmend fake news und sogenannte Alternative Fakten verbreitet werden. Angesichts dessen ist kritisches Hinterfragen das Gebot der Stunde. Das gilt zwar für alle Nutzer, aber insbesondere für Jugendliche, von denen 85 Prozent täglich Soziale Netzwerke besuchen und nutzen, wie eine Studie unlängst ermittelt hatte.

2018-05 Friedrich-König-Gymnasium

Nicht nur mit Bezug zum Thema, sondern ganz grundsätzlich liegt mir der regelmäßige Austausch mit Schülerinnen und Schülern sehr am Herzen. Junge Menschen sind genauso wie alle anderen Altersklassen direkt von politischen Entscheidungen betroffen und müssen diese am längsten mittragen. Was passiert, wenn sich die jungen Generationen nicht einmischen, haben wir unmittelbar an der Entscheidung zum Brexit erlebt. Bei der Abstimmung stimmten zwar 75 Prozent der 18- bis 24-Jährigen für den Verbleib Großbritanniens in der EU, doch nur 36 Prozent machten überhaupt ihr Kreuzchen. Folgerichtig sprach ich mich auf Nachfrage auch für ein Wahlrecht ab 16 Jahren aus. Es ist wichtig, dass sich Jugendliche einmischen und mitbestimmen. Und so verwies ich auf meinen frühen Einsatz für Jugendliche: als Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung der Bundesbahndirektion Nürnberg und als jüngster stellvertretender Betriebsratsvorsitzender in Würzburg fand ich schnell meinen politischen Standpunkt an der Seite der Gewerkschaften und der SPD.

Ein wichtiges Thema für die Schülerinnen und Schüler des Friedrich-König-Gymnasiums war auch die aktuelle Pflegesituation in Deutschland. Ich stellte fest, dass wir alle einmal gepflegt werden wollen - ob nun im Alter oder nach einem Unfall. Deswegen ist es wichtig, dass wir für das Pflegepersonal bessere Arbeitsbedingungen schaffen und einen Flächentarifvertrag vereinbaren, mit dem bessere Rahmenbedingungen eingehalten werden müssen. Auf die Frage eines Schülers, warum die Umsetzung solcher politischen Vorhaben mitunter so lange dauere, erklärte ich die Praxis der Entscheidungsfindung in einer Demokratie: Demokratie bedeutet, dass es verschiedene Meinungen gibt, die miteinander im Wettbewerb stehen. Man muss für Mehrheiten kämpfen, Menschen informieren und jede Menge Argumente prüfen und abwägen bis ein Kompromiss erreicht ist. So habe ich es beispielsweise als Unterhändler der SPD-Fraktion für den Mindestlohn gemacht.

Viele Informationen aus erster Hand, zahlreiche kritische Fragen und eine aktive Teilnahme an der Diskussion durch die Schüler, lautete die abschließende positive Bilanz der Jugendlichen und mir nach zwei Unterrichtsstunden voller Politik.

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