USA: Ein Jahr im Land der Widersprüche und Spaltung - PPP-Stipendiatin Sophie Maier berichtete über ihre Erfahrungen

16. August 2018

„Superschön! Ich hätte mir keinen besseren Ort für meinen Aufenthalt in den USA wünschen können“, schwärmte Sophie Maier aus Bischbrunn über die Gegend rund um Seattle, in der sie ein ganzes Jahr lebte, studierte und arbeitete. Das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) des Deutschen Bundestages und des US-Amerikanischen Kongresses macht’s möglich. Nach einem mehrstufigen Auswahlprozess hatte ich mich für Sophie Maier als Botschafterin aus dem Spessart entschieden.

In der Nähe von Seattle untergebracht, vereint die Gegend im Nordwesten der USA sowohl Berglandschaften, Meer und Strand – also viel Natur – und mit 3,8 Millionen Einwohner auch Großstadtfeeling, wie Maier anhand zahlreicher Fotos zeigte. Allerdings sei die Infrastruktur, gerade zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel eher ausbaufähig: ein Fußmarsch von einer Stunde zur nächsten Bushaltestelle wäre nötig gewesen, um von ihrem Wohnort bei der Gastfamilie mit weiteren öffentlichen Verkehrsmitteln letztlich in die Stadt zu kommen. Taxis sehe man kaum, denn Online-Vermittlungsdienste für Fahrten wie Uber hätten diesen Markt ersetzt. Entsprechend seien viele Autos unterwegs, die jedoch nicht gerade gängige Umweltstandards erfüllten. So auch bei Maiers Auto. Zuvor sah sich die Bischbrunnerin zahlreichen zusätzlichen Herausforderungen beim Kauf ausgesetzt: Führerscheinanerkennung, Autoversicherung, Sozialversicherung – alles keine Selbstläufer.

Selbstständigkeit gefragt

Nachdem zuletzt zwei Schülerinnen unter meiner Patenschaft in die USA gereist waren, war die 23-Jährige nun die zweite berufstätige Stipendiatin, die ich für das Programm ausgewählt hatte. Dem Altersunterschied entsprechend waren auch die Erfahrungen und Aufgaben grundverschieden. Als bereits Beruftstätige/r wird der Fokus vielmehr auf Selbstständigkeit der jungen Erwachsenen gelegt. So sorgte Maier, wie vom Austauschprogramm vorgegeben, selbst für ihren Lebensunterhalt: nach ihrem Studium am örtlichen College als Host und Kellnerin im Burger-Laden sowie als Rezeptionistin und Bürokraft in einem Friseurladen.

2018-08 Sophie Maier und Fabian Haas
Zwei Stipendiaten mit ihrem Paten MdB Bernd Rützel (SPD): Sophie Maier ist zurück aus Seattle, für Fabian Haas geht’s nach Austin (Bild: Florian Sauer).

Teils befremdlicher Lebensstil

Die grundsätzliche Anforderung nach Selbstständigkeit komme dem Lebensstil der Einheimischen an den eher liberal geprägten US-Küsten entgegen, meinte Maier. Dort werde gegessen wann und was man wolle, Freizeitaktivitäten oder Feiertage wie Weihnachten würden kaum gemeinsam gestaltet. „Eher ein WG- als ein Familienleben“, erklärte Maier, die offen zugab, dass ihr das anfangs schon ein wenig zugesetzt habe. Umso höher sei der Stellenwert von Haustieren, die auch wie Menschen behandelt würden – angefangen beim Frisör, bis zu Klamotten- und speziellen Nahrungsmittelläden. Vieles sei speziell in den Staaten und viele Bilder, die uns in Europa erreichen, würden sich bestätigen: Schusswaffen allerorten und in Supermärkten frei zugänglich, extrem günstige Fertigprodukte in jedem Shop, dafür horrende Preise für frische Lebensmittel (5 $ für eine Paprikaschote), „America first“ in den Nachrichten und kaum Berichte über den Rest der Welt. „Das Land ist seit Trump noch mehr gespalten als zuvor“, so Maier, die berichtete, wie schockiert ihre Gasteltern auf Trumps Wahl reagierten. Im Landesinneren hingegen sei die Stimmung stark pro Trump gewesen.

Insofern bin ich wirklich gespannt, was Fabian, mein neuer Stipendiat, berichten wird. In wenigen Tagen startet Fabian Haas aus Neunkirchen-Richelbach im Landkreis Miltenberg nach Austin (Texas).

Noch bis zum 14. September 2018 können sich interessierte Schüler (15-17 Jahre) und junge Berufstätige (bis 24 Jahre, mit abgeschlossener Berufsausbildung) für das kommende Austauschjahr 2019/20 bewerben. Alle Infos gibt es im Internet unter www.bundestag.de/ppp.

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