Berlinfahrten mit mir sind keine Kaffeefahrte
Wenn ich zu Berlinfahrten einlade, sind das keine Kaffeefahrten. Das sage ich ganz klar. Diese Reisen werden vom Bundespresseamt organisiert und bezahlt – und ihr eigentlicher Zweck ist politische Bildung.
Mir ist wichtig, dass meine Gäste aus MIL, MSP, AB und WÜ sehen, wie unsere Demokratie funktioniert: den Bundestag, die Ausschüsse, die Ministerien, die Arbeit der Abgeordneten und der vielen Beschäftigten, die jeden Tag dafür sorgen, dass unser Staat funktioniert. Wer einmal im Plenarsaal gesessen, mit Abgeordneten diskutiert oder einen Blick hinter die Kulissen eines Ministeriums geworfen hat, versteht Politik anders als nach fünf Minuten in den sozialen Medien. Natürlich gehören auch eine Stadtrundfahrt, ein Besuch im KaDeWe oder Zeit für eigene Eindrücke dazu. Berlin ist schließlich eine faszinierende Stadt. Aber damit darf es nicht getan sein.
Denn Berlin ist auch ein Ort, an dem die dunklen Kapitel unserer Geschichte sichtbar sind: Die Mauer, die Menschen jahrzehntelang trennte. Die Gebäude, von denen aus die Nazis Terror und Krieg organisierten. Und die Orte, an denen die DDR ihre eigenen Bürger einsperrte, verhörte und misshandelte – etwa das Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen oder die Gedenkstätte Lindenstraße. Folter und Menschenrechtsverletzungen mitten in Deutschland, an Deutschen, von Deutschen, vor 1945 aber auch noch lange Zeit danach – auch das gehört zu unserer Geschichte, ob es uns gefällt oder nicht.
Ich finde: Wer Berlin besucht, sollte beides sehen – die lebendige Demokratie von heute und die Orte, an denen Freiheit und Menschenwürde mit Füßen getreten wurden. Gerade dieser Gegensatz macht deutlich, warum unsere demokratische Ordnung so wertvoll ist und warum wir sie jeden Tag verteidigen müssen.
Das ist der eigentliche Sinn dieser Berlinfahrten. Nicht nur schöne Bilder, sondern ein besseres Verständnis für unser Land.