Die Jugend protestiert zu Recht
Die Bilder von den Protesten in Frankreich bewegen uns. Jugendliche demonstrieren für ihre berechtigten Anliegen, doch immer wieder kommt es zu Gewalt, die Polizei schlägt mit voller Härte zurück. Dabei dürfen wir nicht vergessen: Die jungen Menschen protestieren zurecht gegen Missstände, die ihre Zukunft gefährden. Nun schwappt diese Protestwelle nach Deutschland über.
Statt sich inhaltlich mit den Sorgen der Jugendlichen auseinanderzusetzen, fordern Politiker der Union bereits präventive Verbote, bevor überhaupt die erste Demonstration bei uns stattgefunden hat. Das ist falsch.
In einem Rechtsstaat hat jede und jeder das Recht, friedlich auf die Straße zu gehen. Das ist ein Grundpfeiler der Demokratie. Dieses Recht darf nicht vorsorglich beschnitten werden. Die Anliegen der Jugendlichen sind real und drängend: Marode Schulen, massiver Lehrermangel und Unterrichtsausfall als Dauerzustand. Hinzu kommen Existenzängste nach dem Schulabschluss. Es gibt viele und gute Gründe, warum die junge Generation protestiert.
Klar ist auch: Ein Protest darf kein Freifahrtschein für Zerstörung sein. Es gibt Grund zur Sorge, dass Einzelne die Demonstrationen kapern. Dabei sind es die jungen Menschen selbst, die als Letzte Gewalt wollen. Zerstörung liegt überhaupt nicht in ihrem Interesse, denn sie überschattet ihre Forderungen. Sie wissen: Sobald Steine fliegen, geht die inhaltliche Debatte unter.
Wenn einzelne Gewalttäter die Proteste unterwandern, muss klar bleiben, dass wir ein Rechtstaat sind. Die Reaktionen der Polizei müssen verhältnismäßig und angemessen sein. Und wir sollten uns auf die Anliegen der jungen Generation konzentrieren, nicht auf Einzelne, die diese Anliegen ins falsche Licht rücken.
Das schulden wir den jungen Menschen.