Klartext

Uns fehlen Fach- und Arbeitskräfte. Die Folgen spüren wir alle: Die Kita schließt früher, es ist kein Handwerker zu bekommen, beim Arzt warten wir immer länger, Züge fallen aus.

Interessant: Zu den Top-Mangelberufen gehören fast ausnahmslos Jobs, die entweder fast nur Frauen oder fast nur Männer ausüben. In den Top Ten der Jobs, in denen die Fachkräftelücke am größten ist, finden sich auf der einen Seite Sozialarbeit, Kinderbetreuung, Altenpflege und Gesundheitsberufe. Auf der anderen Seite werden händeringend Leute in den Bereichen Bauelektrik, Informatik, Kraftfahrzeugtechnik und Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik gesucht. Letzteres ist vor allem bitter, weil diese Arbeit jetzt besonders wichtig ist, um die Energiewende zu meistern.

Wenn nur ein Geschlecht dominiert, dann fällt die Hälfte der möglichen Bewerber weg. Es muss also unser Ziel sein, dass Frauen und Männer gleichermaßen alle Berufe ergreifen. Das würde auch die Lohnlücke zwischen Männer und Frauen verringern. Viele meinen immer noch, Frauen kann man mit weniger Lohn abfinden. Das Haupternährermodell steckt bei vielen noch im Hinterkopf. Richtig war dies noch nie, deshalb ist es umso erstaunlicher, dass manche immer noch denken und handeln wie vor 50 Jahren.

Die Fachkräfte-Strategie der Bundesregierung setzen wir jetzt im Bundestag um: Wir werden allen Jugendlichen eine Ausbildung garantieren, Weiterbildung mit Qualifizierungsgeld und Bildungsteilzeit fördern, die Kinderbetreuung weiter ausbauen und ein modernes Einwanderungsrecht schaffen mit einer einfacheren Anerkennung ausländischer Abschlüsse.

Wenn wir Menschen befähigen, länger und gesünder im Arbeitsleben zu bleiben, die Frauenerwerbstätigkeit steigern, Jugendliche statt in Aushilfsjobs in Ausbildungen bekommen und jährlich ein paar Hunderttausend Menschen aus dem Ausland in unseren Arbeitsmarkt integrieren, haben wir vielleicht eine Chance, dass wir unseren Wohlstand und gewohntes Umfeld aufrechterhalten können.